Wie führe ich mein Projektteam ohne disziplinarische Weisungsbefugnisse?

In diesem Text finden Sie wichtige Impulse, die diese Frage beant­wor­ten. Zuvor beschreibe ich den Hin­ter­grund, in dem ich selbst lange Jahre als Pro­jekt­lei­ter erfolg­reich tätig war. Ziel ist das Aufbauen eines gemein­sa­men Ver­ständ­nis­ses. Los geht’s:

Ihre Ernennung zum Pro­jekt­lei­ter erfolgte ver­mut­lich, weil Sie einen erheb­li­chen Ver­trau­ens­vor­schuss gegenüber anderen erhielten. Mit dieser Aufgabe über­neh­men Sie viele Pflichten und Anfor­de­run­gen.

 

Pflichten und Anforderungen

1. Sie führen ihr Team fachlich auf höchstem Niveau. Sie ver­ant­wor­ten Kosten, Termine, Qualität und Projekt Per­for­mance.

2. Sie besitzen ent­spre­chende Metho­den­kennt­nisse im Pro­jekt­ma­nage­ment.

3. Wie in jeder Abteilung, haben Sie Mit­ar­bei­ter in ihrem Team, welche die not­wen­di­gen Fach­kom­pe­ten­zen besitzen.

4. Sie sind für das Ergebnis von Ihrem Projekt ver­ant­wort­lich.

Diese Auf­zäh­lung listet  die wesent­lich­ten Punkte auf. Sie zeigt, dass Sie als Leiter eines Projekts (in dem von mir beschrie­be­nen Kontext) anspruchs­volle Füh­rungs­auf­ga­ben im fach­li­chen Umfeld wahr­neh­men. Eine Füh­rungs­kraft mit dis­zi­pli­na­ri­scher Wei­sungs­be­fug­nis übernimmt (zusätz­lich) die folgenden Aufgaben:

 

  • beur­tei­len von Mit­ar­bei­tern
  • gewähren von Urlaub
  • ver­an­las­sen 7 durch­füh­ren dis­zi­pli­na­ri­scher Maßnahmen

 

Diese Liste ist  ist erwei­ter­bar. Sie ist wichtig, um die fachliche und dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­ant­wor­tung grob von­ein­an­der abzu­tren­nen.

 

Gemeinsamkeiten zwischen fachlichen und disziplinarischer Weisungsbefugnissen

Die Brücke, die beide Typen von Vor­ge­setz­ten gemeinsam mit­ein­an­der verbindet und aus­zeich­net, zeigen die folgenden Eigen­schaf­ten

  • Ausüben einer Vor­bild­funk­tion
  • Über­neh­men von Ver­ant­wor­tung
  • Dele­gie­ren von Aufgaben
  • Ver­ein­ba­ren von Zielen
  • Wert schätzen der Mit­ar­bei­ter
  • Setzen von Prio­ri­tä­ten
  • Ent­schei­dungs­fä­hig sein

Das Beachten, Erwerben und (Vor) – Leben dieser Merkmale hilft Ihnen, mit Ihren Mit­ar­bei­tern gemeinsam erfolg­reich das Projekt zu stemmen.

 

Erweiterung der Weisungsbefugnisse mit zusätzlichen Elementen

Darüber hinaus stehen dem Pro­jekt­lei­ter weitere, sehr wichtige Elemente zur Verfügung, die Allgemein nicht so bekannt sind. Sie üben eine große Hebel­wir­kung aus, daher ist es wichtig, diese zu kennen. Sie sind wichtige Mittel, die die nicht vor­han­dene dis­zi­pli­na­ri­sche Wei­sungs­be­fug­nis kom­pen­sie­ren.

1. Die Mit­ar­bei­ter sind formal (Aushang, Mit­ar­bei­ter Info, Kickoff Meeting, …) über Ihre Aufgabe als Pro­jekt­lei­ter infor­miert. Damit sind Sie „von Amts wegen“ auto­ri­siert, das Team anzu­lei­ten.

  • Ver­ste­cken Sie sich nicht hinter dieser Formalie – gehen Sie proaktiv und opti­mis­tisch das Projekt an.
  • Zeigen Sie mit Ihrer Ein­satz­freude, dass Sie diese Aufgabe zurecht erhielten.

2. Sie verfügen über Res­sour­cen (Personal, Kosten, Infra­struk­tur,) um das Projekt zu rea­li­sie­ren. Gehen Sie gewis­sen­haft mit den Res­sour­cen um:

  • ablehnen nicht ziel­füh­ren­der Kosten und Vor­schläge,
  • machen Sie sich stark für Ihr Team,
  • betreiben Sie ein gutes Pro­jekt­mar­ke­ting

3. Sie bringen Wissen und Erfah­run­gen mit, mit denen sie ihr Team effektiv unter­stüt­zen.

  • Im Vor­der­grund steht nicht die Übernahme von Sach­ar­bei­ten. Coachen und Trai­nie­ren Sie bei Bedarf Ihr Team.

4. Als Pro­jekt­lei­ter beob­ach­ten Sie das gesamte Pro­jekt­um­feld, wohin­ge­gen sich Ihr Team auf die zuge­wie­se­nen Fach­auf­ga­ben kon­zen­triert. Sie erhalten viele zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen. Dieser Zugewinn an Infor­ma­tio­nen hilft Ihnen enorm, Ihr Team effizient zu führen:

  • vermeiden unnötiger Arbeit,
  • gewähren von Ter­min­auf­schü­ben- aber auch
  • ein not­wen­di­ges einkürzen von Terminen infolge ver­ständ­lich gemachter  Sach­zwänge.
  • Die Kom­mu­ni­ka­tion rele­van­ter Infor­ma­tio­nen an Ihr Team unter­stützt beim Finden von Lösungen und Treffen von ziel­füh­ren­den Ent­schei­dun­gen.

5. Iden­ti­fi­zie­ren Sie wichtige Sta­ke­hol­der und vernetzen Sie sich intensiv mit ihnen

  • Früher oder später geraten viele Projekte in unruhiges Fahr­was­ser. Die richtigen Bezie­hun­gen sind in diesem Fall von unschätz­ba­rem Nutzen.
  • Das früh­zei­tige Erkennen und proaktive managen schwie­ri­ger Ein­fluss­neh­mer hilft, schwie­rige Situa­tio­nen im Vorfeld zu ent­schär­fen.

Damit wird deutlich, dass auf Pro­jekt­lei­tern ein effek­ti­ves und umfang­rei­ches Instru­men­ta­rium darauf wartet, zum Einsatz zu kommen. Nutzen Sie es, um Ihre Mit­ar­bei­ter moti­vie­rend zu führen!

 

Lite­ra­tur­emp­feh­lung:

Führung von Pro­jekt­orga­ni­sa­tion / Dr. Günter Rattay / Linde inter­na­tio­nal / ISBN 978-3-7143-0243-1

 

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